Mit Kindern sparen: So bleibt am Monatsende trotzdem noch etwas übrig

Mit Kindern sparen: So bleibt am Monatsende trotzdem noch etwas übrig

Der 30. des Monats, kurz nach Feierabend. Ich sitze auf der Couch, um mich tobt ein Kleinkind, das gerade entdeckt hat, dass man mit einer Pfanne hervorragende Musik machen kann, und in meinem Hinterkopf blinkt eine Zahl, die ich lieber verdrängt hätte: der Kontostand. So viel steht fest: Am Anfang des Monats sah das Ganze noch nach einem soliden Haushaltsbudget aus. Ende des Monats sieht es aus wie ein Budget, das eine anstrengende Partynacht hinter sich hat.

Kommen Sie mit? Dann sind Sie hier richtig. Dieser Artikel ist für alle, die spät Eltern geworden sind – oder einfach noch kleine Kinder zu Hause haben – und sich zwischen Kita, Karriere, Haushalt und dem Rest des Lebens die Frage stellen: Wie bekomme ich da noch irgendetwas auf die Seite?

Spoiler vorweg: Es geht. Nicht spektakulär, nicht täglich, aber verlässlich. Und wer erst spät Kinder bekommt, hat dabei sogar einen echten Vorteil, den viele unterschätzen.

Erst die schlechte Nachricht: Kinder kosten – richtig

Lassen wir die Märchen beiseite. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes kostet ein Kind in Deutschland bis zu seinem 18. Geburtstag im Schnitt rund 148.000 Euro – inklusive Betreuung, Kleidung, Essen, Urlaub und dem berühmten Eishockeytraining, das am Ende doch nur drei Monate anhielt. Also rund 600 bis 700 Euro im Monat, bei wachsenden Kindern eher mehr. Dazu kommt der Klassiker, den keine Statistik erfasst: der Moment in der Spielzeugabteilung, in dem Ihr Kind mit einem Blick, der den UN-Sicherheitsrat zur Seite treten ließe, auf einen 50-Euro-Plastiklaster zeigt, den es dann tatsächlich 90 Sekunden bespielt.

Das Kindergeld von aktuell 250 Euro pro Monat fängt einen Teil ab. Aber wer ehrlich rechnet, weiß: Es ist ein Zuschuss, keine Lösung. Das eigentliche Problem ist nicht der große Posten – die Kita, der Urlaub, die Einrichtung des Kinderzimmers, in dem das Kind übrigens nachweislich nie freiwillig schläft. Das eigentliche Problem ist das viele Kleine. Der Snack unterwegs. Das Vergnügen beim Einkaufen. Der „ach, das ist doch nur ein Ausflug“. Kinder kosten, aber sie kosten vor allem in kleinen, permanenten Tropfen.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Schlaf. Über Müdigkeit sprechen wir später. Versprochen.

Warum Sparen mit Kindern so schwer ist – und was die Psychologie dazu sagt

Das Sparen mit kleinen Kindern scheitert nur selten am Geld. Es scheitert am Kopf. Verhaltensökonom*innen sprechen von „Mental Accounting“: Wir legen uns im Kopf Töpfe an – „Haushalt“, „Spaß“, „Notgroschen“ – und entscheiden je nach Topf völlig unterschiedlich. Wenn ich den 20-Euro-Schein, den ich beim Aufräumen in der Jacke finde, direkt in Eis investiere, obwohl ich dieselben 20 Euro vor einer Woche umgedreht hätte, wenn ich sie vom Konto abheben müsste – dann lebe ich Mental Accounting. Real ist das bei Eltern sogar noch ausgeprägter, weil die Töpfe „Kind“, „ich“ und „irgendwann mal“ permanent gegeneinander ausgespielt werden.

Dazu kommt die Zeit. Kleine Kinder sind wie kleine Finanzberater mit umgekehrtem Auftrag: Sie fordern alles sofort. Und unser Gehirn mag das auch – Psychologen nennen das hyperbolisches Diskontieren. Ein Eiscafé jetzt ist uns viel mehr wert als eine gesunde Altersvorsorge in 25 Jahren, weil unser Verstand die Zukunft systematisch kleinrechnet. Bei Eltern mit wenig Schlaf fällt diese Rechnung naturgemäß noch extremer aus.

Wer verstehen will, warum Geldanlage und -sparen so viel mit Verhalten und so wenig mit Wissen zu tun haben, dem sei übrigens das Buch Über die Psychologie des Geldes von Morgan Housel ans Herz gelegt. Ich habe es als einer der wenigen Erwachsenen gelesen, die nachts freiwillig einen Finanzkrimi statt Streaming schauen, und es hat mein Bild vom eigenen Konto dauerhaft verändert – inklusive der Erkenntnis, dass beim Geld eben fast alles mit Einstellung zu tun hat und fast nichts mit IQ. Wer mag, kann es sich direkt bei Amazon ansehen.

Die gute Nachricht aus der Forschung: Wenn Sie erst spät Eltern geworden sind, haben Sie jahrzehntelang Geld verdient, um es wieder auszugeben. Sie haben also bereits ein funktionierendes System – es läuft nur in die falsche Richtung. Das lässt sich umbauen.

Späte Elternschaft: der Doppelwumms aus Midlife und Kita

Eltern werden mit Mitte oder Ende 30, Anfang 40 – das ist längst keine Ausnahme mehr. Das Durchschnittsalter von Müttern beim ersten Kind liegt in Deutschland inzwischen bei über 30 Jahren, in den Großstädten noch deutlich höher. Wir späten Eltern sind also Teil eines Trends, der inzwischen gesellschaftlicher Standard ist. Und trotzdem fühlt es sich oft so an, als wäre man allein – vor allem dann, wenn die WhatsApp-Gruppe der Klassenkameraden gleichzeitig Fotos von Achtklässlern und Achtklässler-Geburtstagen zeigt, während bei einem gerade die Windel voll ist.

Der Spagat ist real: Auf der einen Seite die Karriere, die endlich Fahrt aufgenommen hat, die Rente, die im Rücken drückt wie ein schlecht sitzendes Schulranzen-System, und die Frage, ob der Körper die Nächte noch so wegnickt wie mit 25. Auf der anderen Seite die schlichte Tatsache, dass die eigene Energie nicht mehr unendlich ist. Meine Frau und ich haben irgendwann gemerkt, dass wir uns abends um halb zehn nicht mehr für Gespräche über Weltpolitik entscheiden, sondern für die Frage, wer morgen Frühdienst übernimmt. Das ist ehrlich, aber es ist eben nicht das Leben, das wir uns mit 25 vorgestellt haben.

Aber jetzt die Kehrseite – und die ist besser, als sie sich anhört: Späte Elternschaft hat handfeste Vorteile. Wir haben Berufserfahrung, ein Netzwerk und ein Einkommen, das in den meisten Fällen höher ist als bei den 20-jährigen Nachbarn aus der Krabbelgruppe. Wir kennen uns selbst gut genug, um zu wissen, wann wir Hilfe brauchen. Und wir haben – ganz wichtig – schon gelernt, dass manche Dinge warten können. Das ist beim Sparen der halbe Sieg.

Ein Freund aus meiner Männerrunde brachte es auf den Punkt: „Mit 25 hätte ich die 148.000 Euro pro Kind als Horrorzahl gesehen. Mit 42 sehe ich sie als Budget, das man planen kann.“ Genau das ist der Unterschied zwischen junger und später Elternschaft. Nicht die Belastung ist geringer – die Belastbarkeit ist größer. Und weil man selbst schon einiges erlebt hat, macht man nicht mehr den Fehler, jeden ausgefallenen Kindertag als Katastrophe zu werten, sondern als einen weiteren Punkt auf der Liste „Das geht vorbei“.

Die drei Regeln, die bei uns tatsächlich funktionieren

Jetzt wird es praktisch. Ich habe lange genug versucht, mit Disziplin zu sparen, um zu wissen: Disziplin ist ein Mythos. Was funktioniert, ist System. Drei Regeln haben unser Leben verändert – und sie kosten weniger Überwindung als der tägliche Kampf mit dem eigenen Ego.

Regel 1: Zahlen Sie sich zuerst

Klingt altmodisch, ist aber physikalisch. Legen Sie den Sparbetrag automatisch auf ein separates Konto, direkt am Monatsanfang, am besten per Dauerauftrag. Was automatisch passiert, können Sie nicht vergessen, nicht ausgeben und nicht schlechtreden. Wir haben ein drittes Konto – witzigerweise das, das wir „Konto ohne schlechtes Gewissen“ getauft haben – und dorthin fließt jeden Monat ein fester Betrag, sobald das Gehalt da ist. Nicht viel, aber verlässlich. Und wenn das Geld erst einmal weg ist, stellt sich die Frage „Können wir uns das leisten?“ gar nicht mehr. Der größte Spar-Trick ist nicht Betrag, sondern Reihenfolge.

Regel 2: Rechnen Sie in Jahreskosten, nicht in Monatsbeträgen

Die Psychologen sagen: Wir unterschätzen kleine wiederkehrende Beträge massiv. Zwölf Euro im Monat für ein Streaming-Abo klingen nach nichts. Zwölf Euro mal zwölf Monate mal zwei Konten sind 288 Euro im Jahr – pro Abo. Setzen Sie sich einmal im Jahr hin und rechnen Sie alle Abos, Mitgliedschaften und Versicherungen hoch, die pro Monat abgebucht werden. Bei uns kamen dabei zwei Abos heraus, die niemand mehr nutzte, und ein Fitnessstudio, dessen einziger Nutzer ich vor acht Jahren war. Rechnen Sie übrigens auch den Kinderbeitrag zur Vereinsmitgliedschaft, die nach drei Probetrainings still vor sich hin läuft. Das Geld aus diesen „Leichen im Keller“ wandert direkt auf das Spar-Konto – und keiner vermisst es, weil keiner es mehr bewusst wahrgenommen hat.

Regel 3: Die 72-Stunden-Regel für alles, was glänzt

Kinder – und zugegebenermaßen auch wir Erwachsene – sind Meister im Impulskauf. Bevor etwas gekauft wird, das nicht auf der Liste steht, gilt bei uns die 72-Stunden-Regel: Zwei Tage drüber schlafen, dann ist die Begeisterung meist auf das Normalmaß gesunken und das Geld bleibt da. Bei den Kindern funktioniert das erstaunlich gut, wenn man es als Spiel verpackt: „Merk dir das, wir schauen in drei Tagen nochmal.“ In drei Tagen ist das Spielzeug meist vergessen – oder es gibt einen Geburtstag, auf den man es dann legt. Klappt nicht immer. Aber oft genug.

Kinder lernen Sparen – und zwar bei Ihnen

Wer mit Kindern spart, tut das nicht nur für das Konto, sondern auch für die Kinder. Und hier gilt: Kinder lernen Geld nicht in der Schule, sondern am Esstisch. Studien zur Finanzbildung zeigen immer wieder, dass der Umgang mit Geld stark von den Eltern geprägt wird – nicht durch Belehrung, sondern durch Beobachtung. Wenn Sie selbst beim Einkauf vor jedem Regal stehen und überlegen, dann weiß das Kind, wie Preisbewusstsein aussieht. Wenn Sie abends stöhnen, weiß das Kind, dass Geld ein Thema ist. Die Frage ist nur, welche Variante es übernimmt.

Taschengeld ist dabei der Klassiker, und die Empfehlungen des Deutschen Jugendinstituts geben einen guten Rahmen vor: wöchentlich bei Grundschülern, monatlich ab der weiterführenden Schule, und zwar ein fester Betrag, der dem Kind gehört und über den es selbst bestimmen darf – auch über die Fehlentscheidungen. Ja, auch die. Gerade die. Wer nie mit zehn Euro auf der Nase lag, versteht nicht, warum man nicht das ganze Monatsgeld in Gummibärchen investiert. Fehler sind hier die günstigste Form der Finanzbildung, die es gibt.

Ein schönes Werkzeug für den Einstieg ist übrigens das Mitmachbuch Das große Spar-Abenteuer von Linda Fest – es bringt Kindern ab etwa sechs Jahren mit Geschichten, Ausmalbildern und kleinen Rechenaufgaben bei, wie man Wünsche aufspart. Wir haben es zusammen durchgearbeitet, und zum ersten Mal versteht mein Großer, dass das große ferngesteuerte Auto nicht „von allein“ kommt, sondern aus angesparten Monatsbeträgen zusammengesetzt wird. Das ist mehr, als ich mit elf Jahren wusste. Auch hier der direkte Link, falls Sie es sich näher ansehen möchten.

Wer beim Thema Finanzerziehung noch einen Schritt weitergehen möchte, findet in Rich Dad Poor Dad von Robert T. Kiyosaki – inzwischen in der aktualisierten deutschen Ausgabe erhältlich – eine unterhaltsame Einführung in die Frage, warum Geld für die einen arbeitet und für die anderen nicht. Man muss nicht jede These teilen, aber es ist ein wunderbarer Gesprächsstoff für den Abend, wenn die Kinder endlich schlafen. Direkt bestellbar bei Amazon.

Kleiner Betrag, großer Effekt: der Zinseszinseffekt auf der Fensterbank

Jetzt kommt der Moment, in dem ich kurz langweilig werden muss – aber nur kurz. Wer ab der Geburt jeden Monat 50 Euro in einen breit gestreuten Aktien-ETF einzahlt, hat bis zum 18. Geburtstag des Kindes rund 10.800 Euro eingezahlt und kann bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von fünf Prozent mit etwa 17.000 Euro rechnen. Bei 100 Euro im Monat entsprechend mehr als das Doppelte an Zuwachs – die Rechnung bleibt dieselbe, nur die Zahlen werden freundlicher.

Das Interessante daran ist nicht die Prozentrechnung, sondern die Psychologie: 50 Euro sind im Alltag kaum spürbar. Sie sind der Betrag, den man für die Pizza mit Lieferung ausgibt, die man am Freitag eigentlich gar nicht wollte. Aber über 18 Jahre hinweg werden daraus echte Beträge – und das Kind hat beim Übergang ins Erwachsenenleben ein Polster, das ihm Wahlfreiheit schenkt. Ausbildung, Auslandsjahr, Führerschein, erste Wohnung: Es ist der Unterschied zwischen „geht nicht“ und „geht“.

Ich gebe zu, dass wir es selbst nicht perfekt durchgezogen haben. Am Anfang war es wöchentlich, dann monatlich, dann „irgendwann“. Aber das Schöne an Daueraufträgen ist: Sie verzeihen. Man muss nicht jedes Jahr neu motiviert sein – man muss nur einmal im Leben den Auftrag eingerichtet haben. Und das ist die eigentliche Kunst beim Sparen mit Kindern: die Anzahl der Entscheidungen zu minimieren, die man treffen muss, um konsequent zu bleiben.

Die Kostenfallen im Familienalltag – und wie man sie entschärft

Wer sparen will, muss nicht asketisch leben. Er muss nur die automatisierten Löcher stopfen. Die häufigsten Leckstellen im Familienbudget kenne ich aus eigener Anschauung – und aus den Geschichten von Freunden, die mir nach dem dritten Glas Wein die Wahrheit über ihr Konto erzählen:

  • Der Geburtstags-Verschleiß: Ein Kindergeburtstag pro Monat mit 15-Euro-Geschenk plus Verpackung plus Karte macht im Jahr fast 200 Euro. Tipp: Geschenke aus dem Spielzeug-Vorrat nehmen, der ohnehin überquillt, oder auf gemeinsame Geschenke mehrerer Eltern setzen. Die Kinder merken es nicht – die Geschenke stapeln sich sowieso.
  • Der „Souvenir-Faktor“: Ausflüge kosten nicht am Eingang, sondern am Kiosk. Ein Budget von zehn Euro pro Kind und Ausflug – bar, bewusst – verhindert, dass der Zoobesuch sich am Ende wie ein Einkaufsbummel anfühlt. Bei uns gilt: Was das Kind davon ausgibt, ist seine Entscheidung. Und es ist verblüffend, wie schnell dann doch nur eine Postkarte gekauft wird.
  • Second Hand ist kein Notnagel, sondern Strategie: Kinder wachsen aus allem heraus, und zwar innerhalb von Wochen. Kleidung, Fahrräder, Möbel – all das gibt es gebraucht in hervorragendem Zustand. Auf Flohmärkten und Kleinanzeigenportalen kaufe ich inzwischen einen Großteil der Ausstattung. Meine Frau war anfangs skeptisch, aber als unser jüngster Sohn sein fast neues Laufrad bekam, für das ein anderes Elternteil 40 Euro statt 120 Euro verlangte, war der Bann gebrochen.
  • Das Abo-Karussell: Streaming, Musik, Spielzeug-Boxen, Hörspiel-Abos – jedes einzelne kostet „nur“ 9,99 Euro. Zusammen sind es Monatseinkäufe. Einmal im Jahr alle gemeinsam kündigen und nur die zurückholen, die wirklich vermisst werden. Wer will, kann die Familie am Ende des Quartals mitentscheiden lassen – das schult nebenbei das Budget-Bewusstsein der Kinder.

Der wahre Luxus späten Elternseins: Zeit kaufen

Ich habe viele Jahre gedacht, Sparen sei Verzicht. Inzwischen denke ich anders: Sparen ist das Zurückkaufen von Entscheidungsfreiheit. Morgan Housel schreibt sinngemäß, dass Geld in seiner wertvollsten Form die Kontrolle über die eigene Zeit kauft – und wer spät Vater oder Mutter geworden ist, spürt diesen Satz in jeder Faser. Man will nicht im Hamsterrad enden, wenn die Kinder aus dem Haus sind und man selbst erst in Rente gehen kann. Man will die Wahl haben.

Und da liegt der heimliche Vorteil der späten Elternschaft: Man hat bereits erlebt, was es kostet, keine Wahl zu haben. Man hat schlecht bezahlte Jobs gehabt, überteuerte Mieten, Studium in Teilzeit. Man weiß, dass Geld nicht glücklich macht, aber dass es Stress reduziert. Und dieser Stressabbau ist genau das, was die Kinder unmittelbar spüren – nicht der Kontostand, sondern die Stimmung am Esstisch. Ein entspannter Vater mit 40 Euro im Monat Sparrate ist für Kinder wertvoller als ein gehetzter Vater mit 400.

Es geht also nie nur um Zahlen. Es geht darum, dem eigenen Leben Struktur zu geben, während rundherum das Chaos der ersten Lebensjahre tobt. Und es geht darum, den Kindern vorzuleben, dass Verantwortung nicht bedeutet, sich aufzugeben – sondern sich um sich selbst zu kümmern, damit man für andere da sein kann.

Und was ist mit der Rente?

Die ehrliche Antwort: Ja, der Rentenpunkt. Wer spät Eltern wird, hat gleich zwei große finanzielle Baustellen – die Kinderkosten und die eigene Altersvorsorge – und die Reihenfolge ist oft: erst die Kinder, dann ich. Das ist verständlich, aber gefährlich. Denn die Rente lässt sich nicht aufschieben, sie wird nur kleiner.

Mein Rat, den ich mir selbst zu Herzen nehme: Geben Sie den Kindern, was sie brauchen – aber nicht alles, was sie wollen. Und geben Sie sich selbst mindestens das Minimum an Vorsorge, auch wenn es klein anfängt. Ein ETF-Sparplan mit 50 Euro im Monat für die eigene Altersvorsorge ist besser als ein Plan mit 500 Euro, der nach drei Monaten scheitert, weil das Leben dazwischenkommt. Kontinuität schlägt Größe. Das gilt in der Kita genauso wie an der Börse.

Und dann ist da noch die Erkenntnis, die mir die letzten Jahre geschenkt haben: Das Leben mit kleinen Kindern ist anstrengend, aber es ist auch die beste Gelegenheit, das eigene Budget zu entstauben. Plötzlich weiß man, warum man ausgibt. Man hat einen Grund, genauer hinzusehen. Ohne Kinder hätte ich vermutlich noch jahrelang dieselben 19,99 Euro für dasselbe Fitnessstudio ausgegeben, das ich nicht besuche. Mit Kindern habe ich gelernt, Prioritäten zu setzen – finanziell wie menschlich.

Der ehrliche Schluss

Am Ende dieses Artikels stehe ich also auf derselben Couch, auf der ich vorhin gesessen habe – nur mit dem Unterschied, dass mein Sohn inzwischen schläft und die Pfanne wieder im Schrank liegt. Unser Konto wird auch in diesem Monat nicht aussehen wie das eines Privatbankiers. Aber es gibt Monate, in denen der Dauerauftrag gelaufen ist, in denen kein unnötiges Abo mehr abbucht und in denen die Kinder etwas über Warten und Sparen gelernt haben. Und genau das ist der Punkt.

Mit Kindern zu sparen heißt nicht, auf alles zu verzichten. Es heißt, bewusster zu leben – mit einem Budget, das zu einer lauten, wuscheligen, wunderbaren Familie passt. Fangen Sie klein an. Richten Sie den Dauerauftrag ein. Rechnen Sie die Abos einmal ehrlich hoch. Und gönnen Sie sich dann ruhig das Eis, wenn das Konto es hergibt. Sie haben es sich verdient. Die Kinder sowieso – die verstehen das mit dem Sparen ja erst noch.

Am Monatsende etwas übrig zu haben, ist übrigens kein Zeichen von Reichtum. Es ist ein Zeichen von System. Und das kann sich jeder aneignen – auch mit zwei Kindern, einem vollen Kühlschrank und einem Kontostand, der sich kurz vor dem Gehaltseingang noch einmal ganz klein macht. Ehrlich. Wir machen es vor.

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